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Mixed Media Textile Bücher

Frauenwunschbuch

 

 

Im Jahr 2007 bekam ich eine kleine Box mit handgeschöpftem Papier geschenkt. Dieses war so wunderbar, dass ich es erst einmal zur Seite legte, um es für einen mir damals noch nicht bekannten besonderen Zweck aufzubewahren.

Da man und frau sich mit fortschreitendem Alter immer mehr mit der Reflexion des Lebens beschäftigt, stellten wir uns im Freundeskreis gegenseitig die Frage nach der Erfülltheit unserer Lebenswünsche und-träume. Gab es da noch Dinge, die noch gelebt werden wollten? Plötzlich war mir bewusst,  auf welche Bestimmung die Papierzettelchen in meiner Schublade warteten.

Es sollten beim ersten Anlauf ausschließlich Frauen befragt werden, da von Anfang an feststand, dass der Unterschied zwischen den Geschlechtern signifikant ist. Ich wollte jedoch die Entwicklung im zunehmenden Alter aufzeigen. Da kam der Psychologe im Künstler zum Vorschein. Nachdem ich anfangs einen Zettelschwund hinnehmen musste, weil ich die Papierchen einzeln mit nach Hause gegeben hatte, ging ich dazu über sie bei größeren Ansammlungen von Menschen, wie z.B. Geburtstagsfeiern, auszuteilen und dort auch wieder einzusammeln. Schließlich sollte die ganze Aktion anonym sein. Niemand sollte sich bloßgestellt sehen.

Es entwickelten sich bei solchen Gelegenheiten jedoch heftige Diskussionen. Nach mehr als einem Jahr hatte ich eine erkleckliche Anzahl von ungelebten Wünschen angehäuft. Nun sollte auch ein Buch daraus entstehen. Es ging dabei weniger um wissenschaftliche Erkenntnisse als vielmehr um die Verdeutlichung, die Veranschaulichung gewissermaßen. Dafür konnte ich wieder voll und ganz auf mein Lieblingsmaterial- den Stoff-zurückgreifen. Die Wünsche waren nach Alter sortiert, von 14 bis 83. Nun sollten die einzelnen Seiten sich nicht nur an das entsprechende Alter sondern auch an die Wünsche anpassen. Manche Wünsche einer Gruppe waren Wort für Wort identisch formuliert. 

Es wurden die Stoffe an die jeweilige Geburtszeit der Probandinnen angepasst, an die Geschmacks-Stile. Die Wünsche selbst wurden ergänzt durch sog. Kurzwaren aus der jeweiligen  Frauengeneration, wie alte Strumpfhalter, Knöpfe, Spitzen , Borten oder moderne Applikationen und auf Stoff übertragene Photos, so dass sich jede Frau auf ihrer jeweiligen Wunschseite wieder finden  kann, auch wenn sie überhaupt nicht an diesem Projekt teilgenommen hat. Eine junge Frau fühlte sich von diesem Buch an alte Photoalben der Jugendstilzeit erinnert, dass sie mir empfahl auch noch einen  passenden Schuber aus Samt dafür herzustellen. Diesen Vorschlag setzte ich in detaillierter Feinarbeit um, indem ich weitere dekorative Elemente mit einband. Das Frauen-Wunsch-Buch wurde erstmals bei meiner Ausstellung „Quilts-Handwerk und Kunst“ 2009 im Museum Im Hornmoldhaus gezeigt.

 

 

Bärenfühlbuch

 

Das erste textile Buch entstand, nachdem ich als Textilkünstlerin Im Jahr 2008 gebeten wurde einen Quilt als Ausstellungsstück für die Bärenausstellung in unserem Stadtmuseum bei zusteuern. Wo es sich bei Teddybären gewissermaßen auch um Kunstwerke aus textilem Material handelt, klang der Vorschlag ziemlich überzeugend. Da die Ausstellung in der Vorweihnachtszeit vermutlich für Schulklassen, Familien  und speziell für kleine Kinder ein Magnet sein würde, musste diese Gruppe besonders bedacht werden.

Mir war klar, dass die meisten Objekte in der Ausstellung zu wertvoll waren, um sie in Kinderhände zu geben. Durch die Erfahrung mit meinen eigenen Kindern wusste ich, wie schnell im Museum Langeweile aufkommen kann, wenn die kleinen Finger nichts anfassen dürfen. Einen Quilt, der an der Wand hängt zu berühren, würde die Aufmerksamkeit bestimmt nicht lange auf sich ziehen. Ein Stofftier zu nähen, kam für mich nicht in Frage. Dafür waren  schon Teddybären-Näherinnen engagiert.

Es sollte schon ein Kunstwerk sein, mit dem nicht nur gespielt wird, sondern das darüber hinaus Interesse an den  unterschiedlichen Bärenarten und deren Lebenswelt auf spielerische Art weckt. So kam mir die Idee zu einem Bärenbuch  zum Ertasten der Arten mittels verschiedenen Stoffen. Unverwüstlich sollte es werden. „Wenn es komplett aus Stoff ist, kann es notfalls später in die Waschmaschine wandern“, dachte ich.

Nach diesen Überlegungen machte ich mich rasch ans Werk. Und am Ende meiner Mühen lag dieses Bärenbuch auf meinem Tisch. Im Laufe der Ausstellung zeigte sich, dass alle Vorbehalte, das Buch könne am Ende zerschlissen sein, revidiert werden mussten. Die Museumsbesucher mussten trotz Hinweisschild(Bitte berühren) ausdrücklich aufgefordert werden in dem Buch zu blättern und selbst die Jüngsten waren ausgesprochen vorsichtig in der Nutzung. Wir haben augenscheinlich äußerst umsichtige Mitbürger.

 

 
 

 

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